Übergangslust[Explicit] 2015 Hochschule für Bildende Künste, Dresden
Ich wollte mit meiner Performance einen Rausch erleben und damit einen Zustand zeigen, der symbolfähig für das Arbeiten eines Künstlers ist. Die Arbeit ist ein Versuch zu erleben wie es ist eine Performance zu machen und sich dem Urteil auszusetzen das der Betrachter üblicher Weise an dem Kunstwerk ausübt. Die Performance gehört zu einer Reihe Untersuchungen zu Normen, Ereignissen, Handlungen, Interpretationen und Sprachgebrauch in der Kunst. Mit dem Auftritt des Menschen als Werkzeug zum Kunstwerk könnte man von einem Performer eine Art gesteigerte Wahrheit erwarten, eine Artikulation die im Zwiegespräch mit dem Betrachter ein Versprechen andeutet eine Antwort auf Sinnfragen der Kunst zu geben – und damit auch an der ästhetischen Wahrnehmung teilhaben zu lassen.
Unter Berücksichtigung der künstlerischen und institutionellen Konventionen und der Repräsentation von Kunstwerken, artikuliert Übergangslust[Explicit] eine relative Gleichzeitigkeit von Erwartung und Enttäuschung dem Kunstwerk gegenüber. Der Künstler ist da und nicht da. Untätig und berauscht liegt der verkleidete Künstler auf einer Gartenliege – schläft, erbricht und trinkt weiter. Mit der Kleidung und der verzierten Gartenliege erscheinen Vorbilder - das antike Gewand, der Chiton, das weiß des Marmors, die farbige Fassung – in Form eines ironischen Historismus, der zum einen eine offene Herausforderung an eine absolute Stilsicherheit und zum anderen, die liebevolle Arbeit eines Fans der Entsagungsästhetik darstellt.

Aus der Position der Gleichzeitigkeit problematisiert die Performance die Werte denen Kunst zugeschrieben wird. Denn was ist wenn die Additionen -die wichtigen und engagierten Themen mit denen sich Künstler beschäftigen, wie, Identität und Herkunft, einer kritischen Haltung zu Religion und Regierung oder der Natur des Menschen - in der zeitgenössischen Kunst zu unproblematischen Hinzufügungen verkürzt werden.
Was, wenn der Künstler, wie Frederic Lordon‬ schreibt,...“[...]‪das Emblem des freien Willens und des uneingeschränkten Engagements des Selbst zum Avatar des idealen Mitarbeiters in der neoliberalen Gesellschaft geworden ist […]"? Was, wenn Alles was ich sagen will, nichts mehr bedeutet, weil es einer stummen Wertschöpfungskette hinzugefügt wird? Als ein pragmatischer Widerstand ist die Performance das Mittel in Situationen der Unsicherheit, in dem ich als Performer von einem passiven zu einem aktiven Agenten und Übersetzer der Leere übergehe. Denn was diese respektlose Montage der Gleichwertigkeiten an diesem Punkt auf die Breite einer Ausstellung ausdehnt, ist die Leere, in die sie integriert ist.